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Wenn Sie Bewerbungen lesen, halten Sie vermutlich Ausschau nach einer zur Stelle passenden, staatlich anerkannten Ausbildung. Die Bewerbung eines Bäckers auf eine Stelle als Elektriker
werden Sie meist aussortieren. Was in den allermeisten Fällen auch das bestmögliche Vorgehen darstellt. Die simpelste aller eignungsdiagnostischen Fragen lautet also:
Welche staatlich anerkannte Ausbildung qualifiziert für diese Tätigkeit?
Dabei ist nicht nur die Fachrichtung der Ausbildung von Bedeutung, auch das Niveau. Soll es z.B. in der Produktion ein Geselle, Meister, Techniker oder Ingenieur sein? Zum bewertenden
Vergleich von Ausbildungen aller Fachrichtungen hat der Staat das DQR‑System eingeführt. Anerkannte Ausbildungszeugnisse und Qualifikationen weisen heute immer auch das
damit erreichte DQR‑Niveau aus. Details finden Sie auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung www.dqr.de. In DIN 33430 finden Sie Verfahren, mit denen Sie
auch unter Einbezug des DQR‑Systems zu einer gelungenen Stellenausschreibung und -besetzung kommen.
Mir liegt dieses Thema nicht am Herzen, weil ich Ingenieur, sondern weil ich auch Wirtschaftspsychologe M.Sc. bin. Nur wenige Menschen wissen, was für knallharte Forschung sich hinter
diesem Begriff verbirgt. Welche inferenzmathematischen Methoden zur Absicherung des Wissens verwendet werden. Nur wenige Menschen können echte Psychologie von Meinung oder Intuition abgrenzen.
Wie in der Physik oder den Ingenieurwissenschaften auch, ist Mathematik die eherne Grundlage auch der modernen Psychologie. Weiterbildungskurse, in denen fachliche Laien andere Laien
unterweisen, sind heute noch eher die Regel als die Ausnahme. Bücher, in denen persönliche Erfahrungen, erlebt in einzigartigen Rahmenbedingungen, als allgemeingültige Wahrheiten
verkauft werden, sind häufig. Wenn ich als Wirtschaftspsychologe an Seminaren teilnehme oder Bücher lese, fällt mir auf: überindividuell-mathematisch
durch Forschung gut belegte Zusammenhänge wechseln sich mit fragwürdigen oder definitiv falschen Tatsachenbehauptungen ab. Seminarleiter und Autoren haben wohl mal etwas
zum Thema gelesen, können das jedoch mangels angemessener Berufsausbildung nicht in ein größeres Ganzes einordnen oder anhand eines umfassenden Wissens bewerten. Der Zufall regiert.
Es ergibt Sinn, dass Sie für wirtschaftspsychologische Themen einen echten Wirtschaftspsychologen mit staatl. anerkanntem DQR‑Niveau hinzuziehen. Stellen Sie bei der Wahl des nächsten Seminars,
Coachings oder Trainings, das Sie buchen wollen, die gleiche Frage wie für alle anderen Tätigkeiten: Welche DQR‑Qualifikation qualifiziert den Anbieter für das, was er oder sie anbietet?
Ich war als Ingenieur irgendwann die Unklarheit zu psychologischen Themen einfach satt, habe Wirtschaftspsychologie studiert und eine Menge Überraschungen erlebt: das Ganze ist eine
ziemlich exakte Wissenschaft. Der einzige Unterschied: exakte Gleichungen werden durch exakte Wahrscheinlichkeiten größer als 95% ersetzt. Nur, was dieses
Kriterium und eine ganze Reihe weiterer sog. "Gütekriterien" wie z.B. die Kumulationstauglichkeit erfüllt, darf sich
psychologische Erkenntnis nennen. Bauen Sie bitte Ihr Handeln auf Basis der 95% auf und weder auf den 5% noch auf der Beliebigkeit von Meinungen.
Ihnen einen herzlichen Dank, dass Sie hier waren, Ihr
Bernd Gems
DQR: amtlicher Deutscher QualifikationsRahmen, www.dqr.de, Niveaus von 1 bis 8.