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Die dritte und vierte Seite der Medaille finden

Wenn Sie etwas tiefer in die menschliche Denkfähigkeit einsteigen wollen, seien Sie auf dieser Seite herzlich willkommen. Sie lesen ein wenig zu unveränderlichen Grenzen. Und zu Methoden, dennoch weiter zu denken. Das ergibt Sinn, wenn Sie Ihre persönliche Wahlfreiheit vergrößern wollen. Denn dazu ist es im ersten Schritt nötig, eine größere Auswahl guter Alternativen zu erzeugen. Wie vieles von Wert gibt es die Fertigkeit dazu nicht geschenkt. Das geht schon mit dem Weiterlesen dieser Seite los ;-).

Folgendes bitte ich Sie, mir für den Moment einfach einmal abzunehmen: Das Arbeitsgedächtnis (früher: Kurzzeitgedächtnis) des Menschen ist unfassbar leistungsschwach. Es kann sich (a) zu jedem beliebigen Zeitpunkt maximal mit einem Thema gedanklich befassen oder (b) eine vorgegebene Auswahl von etwa 7 Alternativen so erfassen, dass alle in die Entscheidung einbezogen werden. Dass wir uns selbst oft völlig anders erleben, ist ein ganz eigenes Thema. Dies führt dazu, dass wir mit dem Handy am Ohr Auto fahren. Dass es bundesweit dadurch zu Toten kommt, wissen wir zwar theoretisch, aber das ändert nichts an unserem Verhalten - denn wir erleben die Knappheit unserer Aufmerksamkeit nicht. Auch, wenn es also schwer fällt: bitte nehmen Sie an, dass (a) und (b) von sehr vielen sehr klugen Leuten immer wieder durch Experimente und Studien nachgewiesen wurden und daher wahr sein könnten. Unser sog. Selbstwertmotiv wehrt sich zwar mit Händen und Füßen dagegen - aber vielleicht ist es dem Selbstwert langfristig dienlicher, sehr gut belegte Erkenntnisse anzuerkennen. Ich gehe einmal davon aus, dass Ihnen dies gelingt.

Wenn also das eine momentan durchdenkbare Thema beispielsweise aus einer von außen an uns herangetragenen suggestiven "entweder-oder" Erpressung besteht, werden wir in dieses "entweder-oder" leicht eingesperrt, denn unser Arbeitsgedächtnis ist mit dem "entweder-oder" gut gefüllt. Show-Magier und trainierte Verhandlungsführer bedienen sich (auch) dem Fluten unseres Arbeitsgedächtnisses, um ihre Ziele zu verwirklichen. Oder: bei vielen Gesprächen fällt uns erst viel später ein, was wir hätten sagen können und sollen: Auch dieses "Momentanversagen" hängt mit der Begrenztheit unseres Arbeitsgedächtnisses zusammen. Oder: es ist Ihnen schon passiert, dass Sie in einem anderen Zimmer etwas tun wollen und, dort angekommen, nicht mehr wissen, was das war? Oder zum dritten: die Menschen glauben Donald Trump, der kurze Sätze mit einfachem Inhalt oft wiederholt, so weit, dass sie ihn zum Präsidenten wählen? Wenn Sie achtsam durch das Leben gehen, fallen Ihnen vermutlich viele weitere und für Sie persönlich konkretere Beispiele ein, anhand derer Sie sich und anderen die geringe Größe des Arbeitsgedächtnisses plausibel machen können.

Das eigene Arbeitsgedächtnis können wir nicht vergrößern. Wir können uns lediglich Methoden aneignen und trainieren, mit deren Hilfe wir den Folgen weniger ausgeliefert sind. Dazu stehen uns zwei Arten zur Verfügung: (I) Automatisieren und (II) Extern Strukturieren.

I. Automatisieren
Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Fahrstunden? Selbst bei voller Konzentration musste der Fahrlehrer ab und zu rettend eingreifen. Mit jeder Fahrstunde wurden seine Eingriffe seltener. Heute langweilen Sie sich, können nebenbei Radio hören, eigenen Gedanken nachhängen oder sich unterhalten. Das ist möglich, weil Sie das Fahren eines Autos durch viele Stunden Übung weitgehend automatisiert haben. Sie können vieles automatisieren: etwa, bei einem "entweder-oder" reflexhaft den Gedanken zu haben, dass Sie gerade geflutet werden sollen. Und einen Reaktionsreflex wie "Gut, dass es immer noch eine dritte und vierte Seite der Medaille gibt!". Damit verblüffen Sie Ihr Gegenüber und schaffen sich Raum zum Denken. Das Trainieren von Schlagfertigkeit funktioniert (auch) nach diesem Muster. Frage- und Gesprächstechniken z.B. für Mitarbeitergespräche oder Beziehungen insgesamt sind in diesem Sinne trainierbar. Sie stellen einen Vorrat an Handlungsalternativen dar, von dem die meisten Menschen keine Ahnung haben. Das gefürchtete Momentanversagen nimmt Schritt für Schritt ab. Sie könnten hingehen und zunächst sechs für Sie typische Situationen finden, in denen Sie gerne anders reagieren würden, als Sie es (noch) tun. Dann enwickeln Sie in aller Ruhe aus dem Fundus von Frage- und Gesprächstechnik Ihre neuen Sätze und automatisieren diese. Ihr Leben wird sich in Ihrem Sinne verbessern. Ein Wirtschaftspsychologe kann zu Erfolg und Geschwindigkeit Ihres Prozesses natürlich beitragen, logisch ;-).

II. Extern Strukturieren
Haben Sie schon einmal in einem Meeting den Satz "Ja, wie soll es denn sonst gehen?" gehört? Und erlebt, dass niemand spontan eine Antwort hatte? Mit der Folge, dass der einzige vorliegende Vorschlag angenommen wurde? Wenn Sie das nicht länger wollen, könnten Sie die Sätze "Gute Frage! Über eine Antwort auf Ihre Frage sollten wir sorgfältig nachdenken, denn das Ganze ist wichtig. Wollen wir das tun?" automatisieren. Diese Sätze hebeln die Aufforderung zum Nicht-Denken uind Sofort-Zustimmen gründlich aus. Die Sätze kommen aus den Frage- und Gesprächstechniken - Orte, an denen hunderte nützliche und gut automatisierbare Sätze auf Sie warten. Mit Methoden des Externen Strukturierens regen Sie danach neues Denken an. Diese Methoden basieren auf folgendem Grundgedanken: Wenn das Gehirn nur ein Thema zur Zeit behandeln kann, dann werden die Themen halt nacheinander bearbeitet. Gedächtnisstützen sorgen dafür, dass kein Thema verloren geht. Für Entscheidungen gibt es dazu die "gewichtete Entscheidungsmatrix", für neue Ideen und Innovation den "morphologischen Kasten". Die Zahl der Methoden ist groß. Ihnen ist in aller Regel gemeinsam, dass schriftliches Festhalten von Zwischenschritten stattfindet, beispielsweise auf einem Flipchart im Rahmen eines Workshops.

Wenn Sie bis hierher gekommen sind, haben Sie die wichtigsten Grundprinzipien erfahren, um nicht mehr mit dem Bild einer höchstens zweiseitigen Medaillen eingefangen zu werden. Dieses Wissen bleibt allerdings ohne Training nutzlos. Wenn Sie weiterlesen, finden Sie weitere Gedanken, die Training nicht ersetzen können, vielleicht ein wenig dazu motivieren. Ich beginne mit einem nicht allzu seltenen Ausruf aus der persönlichen Beziehungswelt:


"Wir sind zu verschieden, wir passen einfach nicht zusammen!"
Menschen schließen daraus in der emotional angefüllten Situation auf die beiden Lösungen "Trennen" oder "Aushalten" und setzen ihre Entscheidung um. Dass "Ähnlichkeit" auf Dauer zu Langeweile führen kann, fällt erst einmal nicht auf. Denn Ähnlichkeit ist, was bei ersten Begegnungen Sympathie auslöst. Partnerschaftsbörsen berechnen die Passung beispielsweise über Ähnlichkeiten. Wen schert schon, was mittelfristig passiert? Hauptsache spontane Sympathie. Ähnlichkeit gilt auch in der Eignungsdiagnostik kompetenter Personalabteilungen als bedeutsamer Urteilsfehler: "Der passt zu uns!" ist ein typischer Spontangedanke, der durch Ähnlichkeit ausgelöst wird.

Der dritte Weg könnte im Gegensatz dazu lauten:

"Hey, wir sind verschieden - genial, wie wir 1+1=3 realisieren!"

Dritter Weg: zügig und elegant oberhalb des Normalen gleiten - Foto: Bernd Gems Das klingt erst einmal gut, Unterschiedlichkeit wird langfristig interessanter sein und mehr neue Ideen erzeugen. Unterschiedlichkeit ist auch Quelle von Widersprüchen und Konflikten und erfordert damit eine höhere Kompetenz der Beteiligten. Dies wird besonders im Anspruch an Führung deutlich.

Andererseits: Führungskräfte sind per Definition außergewöhnlich. Teil ihrer (manchmal ungeschriebenen) Stellenbeschreibung ist lebenslanges Lernen: Sie erwerben Schritt für Schritt neue Fertigkeiten der Personalführung - und führen ihre Mitarbeiter jeden Monat wirksamer als noch im Monat zuvor. Da gibt es also viel Hoffnung.

Wenn Sie jetzt bitte einmal an Ihr größtes Kopfschütteln in Verbindung mit Personal denken...

   Sofern Sie über eine Ausbildung in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) verfügen: Dann denken Sie vermutlich in Sach-Logik. Wie eine Denkweise ablaufen kann, die einer völlig anderen Logik folgt und genau daher ihre Wirksamkeit bezieht, bleibt dem Sachlogiker erst einmal verborgen. Und damit die Chancen zur Entdeckung der daraus erwachsenden dritten Wege.

Immerhin gibt es einen Namen dafür: die Psycho-Logik. Das hilft erst einmal alles nichts, so lange beide Wege, die Sach- und Psycho-Logik, getrennt bleiben.

Die Vertreter beider Einzelsichten verstehen sich schon in den Worten nicht. Ein Beispiel: Es fällt zwischen Sachlogiker und Psychologiker das Wort "Rationalisieren". Was ist in Ihnen aufgeblitzt? Je nach Ihrer Erfahrung könnte es Folgendes sein:

  1. Rationalisieren = Effizienz steigern z.B. durch Automatisierung? Oder...
  2. Rationalisieren = Versachlichung eines Gespräches (Riskant: verdrängt Groll oft nachhaltig in ewig dauernde fruchtlose Stellvertreter-Debatten)? Oder...
  3. Rationalisieren = Rechtfertigen emotional getroffener Entscheidungen vor sich selbst und anderen im Nachhinein durch scheinbar relevante Sachargumente?

Worte werden in verschiedenen Welten häufig mit völlig unterschiedlichen Inhalten gefüllt. Und so haben die beiden Seiten großen Zeitverbrauch für ein fruchtbares Miteinander, wenn es bei all dem Kopf schütteln überhaupt dazu kommt. Unglücklicherweise sind die Fachbegriffe der Psychologen häufig ganz normale Worte - jedoch mit hoch spezifischem Inhalt gefüllt. Eine kaum erkennbare Fachsprache, die für Außenstehende ziemlich seltsam klingen kann. Und so finden die Seiten oft nicht zusammen, coole Lösungen bleiben verborgen. Wer als einziges Werkzeug einen Hammer hat, für den sind alle Probleme Nägel. Und so entsteht bei unguten Lagen nach häufigem "Mehr vom Gleichen" der Gedanke: "Das ist halt so, da kann man nix machen". Schade.

In der Realität sind Sach- und Psycho-Logik ineinander verwoben, zusätzlich steckt in jeder Sachlogik ein wenig Psychologik und umgekehrt. Zum Entwirren und anschließendem Vermitteln an den Sachlogiker erweist sich die Kombination beider Denkweisen in einem einzigen Kopf als dritter Weg höchst effizient. Mit 1+1=3 erhält der Sachlogiker einen Weg zur Überwindung so mancher bisher unüberwindlich scheinender Hindernisse.   

Wenn Sie jetzt bitte noch einmal an Ihr größtes Kopfschütteln in Verbindung mit Personal denken...

Klar, das klingt ziemlich nebulös. Das kann auch gar nicht anders, denn das Thema, das Sie Ihren Kopf schütteln lässt, kenne ich noch nicht. Um zu erfahren, was zu tun ist, rufen Sie mich einfach an oder senden Sie mir eine Mail. Die Einstiegsbesprechung zu Ihrem Thema ist gratis.

Ihnen einen herzlichen Dank, dass Sie hier waren, Ihr

Bernd Gems

DQR: amtlicher Deutscher QualifikationsRahmen, www.dqr.de, Niveaus von 1 bis 8.