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Lernpsychologie: Behaltensleistung verbessern und bleibende Anwendungskompetenz

Die weltweite Forschergemeinde versteht unter Lernen das Verankern im Gehirn plus gelungenes Umsetzen in Prüfung und täglicher Praxis. "Mama, ich hab 4 Stunden gelernt!" mag ein Kind sagen. Aber in Bezug auf den fachlichen Lernbegriff ist das ohne Aussage. Gelingt der Abruf nicht, hat kein Lernen stattgefunden. Wie viele Führungsseminare verdunsten vor diesem Hintergrund ins Nichts? Einig ist man sich darüber, dass in einer schnell veränderlichen Welt das Maß der Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit überlebens- und erfolgskritisch ist. Hohe Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit wird mit hoher Lernfähigkeit erreicht. Vor diesem Hintergrund dürfte sich ein Blick auf das Thema lohnen.


Sachfachliches Wissen
Forscher der australischen RMIT University haben Erwachsenen Lernunterlagen in gut und in schlecht lesbarer Schriftart vorgelegt. Ergebnis: im Gehirn verankert sich schlecht lesbare Schrift besser. In weiterer Zusammenarbeit mit Typographen und Verhaltenspsychologen entstand auf dieser Basis die Schriftart "Sans Forgetica", die Sie sich herunterladen können. Wäre dies eine Einzelstudie, könnte man sie getrost für unwichtig erklären. Sie fügt sich jedoch nahtlos in hunderte Studien aus aller Welt ein. Sie erfüllt damit das Gütekriterium der "Kumulierbarkeit": es existiert eine globale, sich gegenseitig ergänzende Studienlage. Eine wichtige Überschrift lautet "Verarbeitungstiefe": Mühsam zu erschließende Inhalte zwingen zu vertieftem Grübeln, vertiefter Befassung bei den durch schlechte Lesbarkeit erzeugten Entschlüsselungsaufgaben. Texte von Immanuel Kant, bei dem sich einzelne Sätze über eine halbe Seite erstrecken, sind ein weiteres Beispiel dafür, wie man Verarbeitungstiefe beim Leser erzeugt. Das Gesamtergebnis zusammengefasst:

Je "schlechter" die Unterlagen, desto besser die Lernleistung

Unser Lerngehirn funktioniert leider nicht so, wie wir Lernunterlagen bewerten: je leichter verständlich, desto besser unser Urteil darüber. Leider auch: desto schlechter die Lernleistung. Unser Gehirn ist eine Vergessensmaschine, wir kennen das, glaube ich, alle gut. Und wir kennen unsere inneren Widerstände, wenn es an Lernen geht, das dieses Wort verdient. Oder haben Sie sich schon einmal so richtig darauf gefreut und alle Hindernisse begeistert aus dem Weg geräumt, um endlich wieder Vokabeln pauken zu dürfen?

Die Konsequenz kann für Unternehmen natürlich nicht darin bestehen, es sich leicht zu machen und dieses Wissen voreilig umzusetzen. Die Unterlagen sollen hochwertig aussehen, eine gute Akzeptanz bei Lernern erreichen und zugleich eine hohe Verarbeitungstiefe erzeugen. Lösungen stellen zwangsläufig einen Kompromiss dar: ob Lerner beispielsweise unbedingt lernen müssen oder aus eigenem Antrieb selbst lernen wollen, legt eine unterschiedliche Gestaltung der Unterlagen nahe. Auch das Ziel des Lernvorgangs hat großen Einfluss: Geht es um bloßes "Kenntnis erlangen" wie etwa bei Compliance-Themen oder soll am Ende eine Fertigkeit auf praxistauglichem Niveau beherrscht werden? Die Gestaltung von Lernvorgängen, wenn sie denn gelingen sollen, gehört zu den eher anspruchsvollen Herausforderungen dieser Welt. Wenn man sie denn professionell betreiben möchte.

Sachfachliche Fertigkeiten
Hier geht es um das Beibringen von "Können". Wenn ein Industriemeister einem Auszubildenden über die Schulter blickt und rückmeldet "Versuch's doch mal so...", bringt er eine Fertigkeit bei. Fertigkeiten sind weder aus dem Internet downloadbar, noch können sie durch Text oder Videos besonders gut vermittelt werden. Wenn jemand allerdings wirklich lernen will, wird viel möglich. Kommunikativ kann die persönliche Vermittlung leicht Reaktanz (so etwas wie Widerstand aus Prinzip) auslösen und Lernerfolg behindern. Auch Lehr-Kommunikation ist eine Fertigkeit.

Psychologische Fertigkeiten
Für Vertrieb, Personalführung, Eignungsdiagnostik, günstige Kommunikation oder den Umgang mit Konflikten hat die Psychologie eine Fülle an günstigen und schädlichen Formen aus der beobachteten Praxis herauskristallisiert. Diese Formen sind erlernbar und wirken nur genau in der erforschten Art.

Persönliches Verhalten, innere Einstellungen
Hier wird es anspruchsvoll, denn:

Ein Mensch wird erst mit dem Verstehen beginnen wollen, NACHDEM er sich vollständig verstanden fühlt.

Das Erreichen dieses "sich verstanden fühlen" bereitet vielen Führungskräften größte Mühe. Oft neigen wir dazu, "mit Engelszungen zu reden", was nichts anderes bedeutet als selbst zu reden. Damit verschließen wir in aller Regel unser Gegenüber. Fragetechniken, Feeback und Zuhörformen in genau der Art, wie sie als wirksam identifiziert wurden, sind erlernbare psychologische Fertigkeiten. Ihr Erwerb macht die Veränderung des persönlichen Verhaltens und innerer Einstellungen bei uns selbst und durch uns bei Mitarbeitern möglich.

Wie die Organisation (Firma) lernt
Wenn ein Geschäftsführer beschließt, dass es Zeit für das von ihm geführte Unternehmen ist, sich im einen oder anderen Punkt weiterzuentwickeln und er das Thema engagiert angeht, könnte organisationales Lernen entstehen. Ein LMS in Verbindung mit fachlich hochwertiger Lernpsychologie sind gute Begleiter auf dem Weg zum Ziel. Es kann auch zu ungeplantem Lernen kommen: Stellt die Personalabteilung regelmäßig Menschen mit der Persönlichkeitseigenschaft "hohe Gewissenhaftigkeit ein", wird es wahrscheinlich, dass die Organisation Stagnation lernt. Reagiert der Chef auf Vorschläge mit interessiertem Nachfragen, bevor er bewertet, lernt die Organisation, dass Vorschläge eine gute Sache sind - sie werden sich mehren. Es gilt: erst Organisationsdiagnose OrgD, dann Organisationsentwicklung OE.

Lernhindernisse
Lernen ist anstrengend und oft finden wir jede Menge Gründe, es sein zu lassen. Warum ist das so? An der Jacobs-University in Bremen wurde gemessen, wie viel Energie der Denkvorgang verbraucht. Man kam darauf, dass ein Gehirn im Leerlauf etwa 20% des Körper-Gesamtenergieverbrauchs beansprucht. Bei voller Denkleistung, sagen wir mal bei Simultan-Blindschach, werden daraus 90%. Führen wir das einmal damit zusammen, dass in der Evolution seit der Amöbe stete Nahrungsknappheit zu bewältigen war. Ein Wesen, das gut Energie zuführen und im Verbrauch sparsam war, überlebte eher und vermehrte sich besser. Dieser Mechanismus macht das Energiespar-Gen sehr einflussreich. Bei Menschen manifestiert es sich im "Denkvermeidungsmotiv " - dessen Wirken wir vielfach beobachten können. Sonst würde ja jeder die Fremdsprachen sprechen, die er oder sie schon immer können wollte. Wir finden nur allzu gerne Gründe dafür, Lernen zu lassen. Wenn Sie mögen, klicken Sie auch einmal auf den Reiter →"Es Tun".

Lernstrategien
Der Wissensinhalt zum vielfältigen Erzeugen der oben bereits erwähnten "Verarbeitungstiefe" als Lerner und in der Lehre ist natürlich nur ein Feld von vielen. Weitere Überschriften lauten Mnemonik, Mediendidaktik, Initiation of Implementation, Transfergesetze, Arbeitsgedächtnis, Wachstumsmotiv u.v.m. - hier alle Steuergrößen aufzuführen, würde den Rahmen der Sinnhaftigkeit sprengen. Insbesondere die umfänglichen Ergebnisse der Motivforschung werden oft zum Nachteil aller ignoriert. Die Lösung ergibt sich bei der Zusammenarbeit mit einem Wirtschaftspsychologen ganz zwanglos: Je nach Bedarf wenden wir an, was im Einzelfall nötig und sinnvoll ist. Natürlich werden Sie fortan von Ihren Trainern mit gutem Recht und bester Begründung erwarten können, dass diese Unterlagen bereit stellen, die Ihren Anforderungen entsprechen.

Und wie ist das mit Fähigkeiten?
Während sich Fertigkeiten auf ein spezifisches Feld beziehen, sind Fähigkeiten übergreifend zu verstehen. Wer z.B. das 10-Finger-System auf Tastaturen beherrscht, hat diese eine Fingerfertigkeit erlernt. Wem es sehr leicht fällt, unterschiedlichste Fingerfertigkeiten zu erlernen, der verfügt über eine hohe motorische Fähigkeit. Intelligenz, gemessen über den IQ (Intelligenzquotienten), ist eine noch weiter umfassende Fähigkeit, die andere wie die Lernfähigkeit einschließt. Wer intelligenter ist, kann nahezu alles schneller und besser erlernen. Kann man Fähigkeiten erlernen? Die Forschung sagt: NEIN. Wir können nur versuchen, sie im Rahmen des Möglichen zu entwickeln. Wir können beispielsweise versuchen, über das Erlernen von Fingerfertigkeiten verschiedenster Art auch unsere motorischen Fähigkeiten zu verbessern. Die Lernforschung schließt nicht aus, dass das möglich ist, ermutigt aber auch nicht sonderlich. Was im Alter bis etwa dem 7. Lebensjahr nicht angelegt ist, wird später kaum noch zu erreichen sein. Aber: je mehr wir tun, desto besser wird es. Je mehr wir tun, desto langsamer geht der Abbau von Fertigkeiten und Fähigkeiten während des Alterungsprozesses. Das Thema →Innovation ist übrigens für Einzelpersonen eher den Fähigkeiten zuzuordnen - glücklicherweise ist es ja auch nicht der Job von Geschäftsführern (GF) selbst die besten Erfinder zu sein. Wohl aber kann ein GF seine Organisation Innovationsfähig machen. Erste Hinweise finden Sie bei Klick auf das Register →Innovation.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein Lernsystem, z.B. ein →LMS, einführen wollen, erscheint vor dem beschriebenen Hintergrund ist die Umsetzung des Standes der Wissenschaft ratsam, bevor mit der Produktion von Lerninhalten begonnen wird. Auch werden Sie Ihren Ausbildern und Trainern Leitlinien an die Hand geben, die Lernerfolg wahrscheinlicher werden lassen. Wenn Sie für Ihre Ziele eine funktionierende Struktur aufsetzen wollen, sprechen Sie mich einfach an.

Ihnen einen herzlichen Dank, dass Sie hier waren, Ihr

Bernd Gems

DQR: amtlicher Deutscher QualifikationsRahmen, www.dqr.de, Niveaus von 1 bis 8.