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Projektmanagement PM 

Was positiv wirksames PM ausmacht, erfahren wir weiter unten mit klarer Ansage vom Nobelpreisträger für Ökonomie, dem Psychologen Daniel Kahneman. Aber jetzt erst einmal einfache Klärungen:

Mit dem Stichwort "agil" war eine neue und verführerische Managementidee geboren, die schnell viele Anwender fand. Für manche lief es gut, für andere eher mittelmäßig und oft genug erweist sich der agile Ansatz als untauglich. Es wäre doch schön, vor einer Entscheidung die Kriterien zu kennen, anhand derer wir tauglich entscheiden können, wann, wo und in welcher Weise wir klassisches, wann agiles Projektmanagement einsetzen. Als Hochschuldozent auch im Bereich Projektmanagement habe ich da so eine Ahnung und als Wirtschaftspsychologe weiß ich, dass die Wahl einer Managementmethode nur den kleineren Teil des Erfolges ausmacht. Schauen wir uns die Methoden einmal stark verkürzt an:

Klassisches PM
Motto: "Failing to plan is planning to fail" oder "Wer nicht plant, plant Misslingen". Projekte, die erhebliche Startinvestitionen beinhalten oder solche mit umfassenden behördlichen Genehmigungsritualen werden wir eher mit klassischem PM durchführen.

Agiles PM
Motto: "Planung ist das Ersetzen von Zufall durch Irrtum". Wo früher alle nur gearbeitet haben, folgt heute ein Sprint samt einem Richtungswechsel auf den anderen. Der agile Ansatz passt meist sehr gut auf den Bereich, aus dem er hervorgegangen ist: Softwareentwicklung. Prototypen bedeuten hier keinen mechanischen Aufwand, während der Entwicklung entstehende Ideen können laufend umgesetzt werden, was die Ergebnbisqualität verbessern kann.

Hybrides PM
Motto: "Das Beste aus beiden Welten". Die größte Herausforderung wird sein, von ideologischer Bevorzugung eines der beiden Managementmethoden abzulassen.

Psychologie im PM
Der Nobelpreisträger für Ökonomie, der Psychologe Daniel Kahneman, stellt in seinem Buch "Noise", "Weißes Rauschen", ein inferenzmathematisch gut belegtes Muster menschlichen Handelns vor und wendet es hilfreich auf Projektmanagement an:

Wir Menschen neigen dazu, uns gestellte schwierige Fragen im Kopf durch einfachere zu ersetzen. Ein Muster, das zusammen mit anderen Mustern unter dem Begriff der "Verfügbarkeitsheuristik" zusammengefasst wird und Teil des Denkvermeidungsmotives ist. Eine von vielen möglichen Anwendungen im Projektmanagement kennen viele von uns aus der Praxis: Auf die Frage der Geschäftsleitung "Wird das Projekt gemäß Zeitplan abgeschlossen sein" folgt oft sehr spontan die Antwort "Ja, klar!". Es lässt sich zeigen, dass der Befragte tatsächlich die Frage im Kopf neu zu "Sind wir derzeit im Zeitplan?" formuliert hatte.

Steht die Klärung eines wesentlichen Anteils der Projektrisiken noch aus, geht die Antwort an der Realität vorbei. Wer diesen psychologischen Effekt kennt, gibt sich mit der schnellen Antwort nicht zufrieden und könnte mit "Welcher Anteil der Projektrisiken zwischen 0 und 1 liegt noch vor uns?" ergänzen. Er wird auch während der Projektplanung versuchen, die Klärung möglichst vieler Risiken möglist früh im Projekt einzuplanen. Dieser Anteil der noch in der Zukunft zu klärenden Risiken erweist sich damit als nützlicher KPI (Key Performance Indicator oder Schlüsselkennwert) der Projektsteuerung.

Ein einflussmächtiger KPI des PM: Anteil der noch in der Zukunft zu klärenden Projektrisiken, anzugeben als Zahl zwischen 0 und 1.

Unvermittelt bekommt der Risikobegriff nach DIN ISO 31000 und auch das Durchführen einer wahrhaftig gemeinten, auf Erkenntnisgewinn abzielenden FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) aus der Ingenieurwelt eine nachvollziehbare Bedeutung im Sinne von Projekterfolg. Weiterhin können wir alleine aus der Verfügbarkeitsheuristik weitere Erfolgsfaktoren ableiten. Und natürlich machen einige Führungskräfte es ihrer Mitarbeiterschaft auch sehr schwer, durchdacht und wahrheitsgemäß zu antworten. Ein eigenes und oft vernachlässigtes Projektrisiko. Hier bessert sich die Lage nach Anwendung fundierter Ergebnisse aus den Forschungsgebieten der Führungspsychologie sowie der Arbeits- und Organsationspsychologie. Wirtschaftspsychologen verfügen darüber hinaus natürlich über fundierte Fachkenntns einer Fülle weiterer Effekte, Verzerrungen, Muster und Zusammenhänge wie etwa dem aus acht Motiven bestehenden, einzigen wissenschaftlich belegten Motivsystem des Menschen. Über 6000 Studien, basierend auf Mathematik, machen ein für alle Mal deutlich, wie Motivieren tatächlich funktioniert. Diese und ihre tauglichen Umsetzungen erschließen sich allerdings erst im Laufe eines mehrjährigen Studiums - genau dazu macht man es. Aber die gute Nachricht ist: Zu spezifischen Herausforderungen in gegebenen Situationen greift der Wirtschaftspsychologe in diese Fachkiste und holt genau das Passende heraus.

Vor diesem Hintergrund wird es nachvollziehbar, dass die Bedeutung von Fachwissen zu den Inhalten eines Projektes oder der Managementmethoden wie klassisch oder agil angesichts der Wirkung von echter, fundierter psychologicher Fachkompetenz verblasst. Allerdings: ein 40-stündiger Schnellkurs hin zum "Agile Coach" erzeugt riskantes Hundertstelwissen, verbunden mit viel Illusion.


Ihnen einen herzlichen Dank, dass Sie hier waren, Ihr

Bernd Gems

DQR: amtlicher Deutscher QualifikationsRahmen, www.dqr.de, Niveaus von 1 bis 8.