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Beratung? Training? Coaching? Wozu soll das jeweils gut sein? Etwas Klarheit.

Ein Wort sagt mehr als 1000 Bilder (Auflösung weiter unten).

Durchblick und klarer Weg - nur ein wenig wellig ist er schon... Foto: Gems Wer etwas verkaufen will, sucht für sein Produkt positiv belegte Begriffe. Ob dieser sachlich passt, ist für so Manchen eher nebensächlich. Diese Lösung suchen insbesondere Jene ohne anerkannte Ausbildung und heften sich die verschiedensten Begriffe ans Revers: Hauptsache, die Begriffe sind nicht staatlich geschützt. Dazu gehören Begriffe wie Beratung, Training und Coaching. Wenn Sie einem solchen Vertreter begegnen, bitten Sie ihn einfach einmal, diese drei Begriffe differenzierend zu erläutern - Sie entlarven Dünnbrettbohrer bisweilen in der ersten Minute. Fragen dieser Art, wenn auch mit gänzlich anderem Inhalt, sind Ihnen auch zur raschen Prüfung in Bewerbungsgesprächen äußerst nützlich. Das Zauberwort heißt "Fragetechniken". Der Link führt zum Buch, das 42 Typen und deren Nutzung im Sinne des Erreichens von Zielen beschreibt. Im Folgenden eine belastbare und ab und zu auch nützliche Darstellung der Themen Beratung, Training und Coaching:

Beratung
Anderen Menschen möglichst ungefragt und bisweilen höchst zweifelhaften Rat erteilen zu wollen, scheint Menschen leicht zu fallen. "Warum hast du nicht..." ist nur eine von unzähligen Formen, die zu Unbehagen beim Empfänger führen. Nicht von ungefähr heißt es "Auch Ratschläge sind Schläge". Menschen haben daher gelernt, vor Rat eher zu flüchten, als ihn zu bedenken. Viele Vorgesetzte kennen das Problem: "Wenn Sie nicht ab morgen pünktlich sind, werden wir beide ein Problem miteinander bekommen!" - Darin ist zweifellos ein guter Rat verborgen, nachhaltig gewirkt hat dieser nur selten. So ist das oft mit Rat, auch mit bestem. Er bedarf in fundiertem Training erlernter Sprachmuster, um zu wirken. Der Aufwand hierzu erscheint gerechtfertigt, denn guter Rat hat gute Folgen, wenn er nur angenommen wird. Unter "Beratung" im guten Sinne werden für den Beratenen(!) nützliche Hinweise verstanden, deren Befolgung ihm möglich ist und die zu überwiegend guten Folgen für ihn führen. Wer gut beraten sein will, sucht sich Berater, die im Beratungsthema keinerlei eigene Karten im Spiel haben. So sind Versicherungs"berater" in diesem Sinne keine Berater, sondern Verkäufer. Und Mitarbeiter suchen im guten Rat ihres Chefs oft reflexhaft nach Fallstricken. Weil der Chef von Ihnen einiges will, kann er nicht glaubwürdig Berater sein. Auch Freunde können als Berater gefährlich sein: sie wollen Sympathie, leiden an Mitgefühl. Beides verträgt sich oft nicht mit wahrhaftig gutem Rat. Steuer- und Rechtsberater dagegen sind im Grundsatz echte Berater, haben sich die Qualifikation für ihr Gebiet staatlich erworben. Ihre Beratung kostet lediglich Geld und ist grundsätzlich frei von verdeckten Zielen - zwei wichtige Voraussetzungen für gute Beratung.

Training
Unter "Training" verstehen wir den Prozess, mit dem eine Person (Trainer), die in einer spezifischen Fertigkeit über ein weit überdurchschnittliches Niveau und zusätzlich über die Qualifikation zur Vermittlung dieser Fertigkeit verfügt, einer anderen Person diese Fertigkeit praxisfest vermittelt.
Beispiel: Ein Chef verwendet Sprachmuster, die bei seinen Mitarbeitern nutzlosen Reflexwiderstand (Reaktanz) erzeugen. Wie bei unausgebildeten Führungskräften üblich, erkennt der Chef diese Zusammenhänge nicht. Manchmal glaubt er sogar, mit "Engelszungen" zu reden. Ein guter Trainer erkennt dies meist in einer Vorbesprechung. Er übt mit dem Chef die Veränderung hin zu angemessener Selbstwirksamkeit anhand praxisnaher Situationen so lange ein, bis sich angemessener Führungserfolg einstellt.

Coaching
Ein kompetenter Coach erhöht, mittels in fundierter Ausbildung erlernter Kommunikationsfähigkeiten, deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass sein Client oder Coachee eigene Ziele erreicht. Coaching fördert das eigenständige Erreichen von Erkenntnisgewinn, Klarheit, Wahlfreiheit und -vielfalt sowie Handlungsfähigkeit. Wenn das Ziel dies erfordert, liefert Coaching die Aufgabenstellung für den "Soft-Skill"-Trainer.
Beispiel: Ein Chef fragt sich -bislang erfolglos- warum Wichtiges nicht in die Köpfe seiner Mitarbeiter geht. Coaching beantwortet diese Frage. Daraus ergibt sich meist zugleich das Übungsthema für Trainingsphasen. Im Ergebnis wird der Chef jeden Monat besser befähigt, seine Mitarbeiter entspannt und gekonnt in die gewünschte Richtung zu lenken.

Projektleiter - für Ihr Unternehmen schädliche Worte
Sie suchen in Stellenanzeigen ab und zu einen Projektleiter? Die unterschwellige und vorsichtshalber nicht gestellte Frage von Bewerbern kann lauten: "Leitung bedeutet doch das disziplinarische Recht auf Anweisung. Welchen Personen gegenüber werde ich anweisungsberechtigt sein? Oder weise ich das Projekt an, endlich gut zu laufen? Und wie soll so etwas gehen?" Mit einem Wort erzeugen Sie einen sog. "psychologischen Vertrag", der leider allzu oft nur im Kopf des neuen Mitarbeiters existiert. Wird der nicht erfüllt, sind Ihre Kosten hoch: Viel Mindermotivation hat ihre Quelle im Einstellungs- und Einarbeitungsprozess. Wenn Sie Mitarbeiter für die Projektkoordination suchen, schreiben Sie bitte auch "Koordination" aus. Es kann äußerst nützlich sein, mit wahrhaftigen Worten zu suchen. Mehr zum nachhaltig positiv wirkenden Anwerbungsprozess finden Sie in DIN 33430 und hier. Verwenden Sie Worte wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Kritikfähigkeit in Ihren Stellenanzeigen? Wenn Sie in Ihrem Unternehmen die Fähigkeit zur kompetenten Prüfung des Erfüllungsgrades nicht im Rahmen der Eignungsdiagnostik installiert haben, wirken erkennbar leere Worthülsen möglicherweise nicht nur auf Bewerber belustigend. Riskant. Also: kompentente Prüfung nach DIN 33430 einführen oder Begriffe weglassen. Am besten: Beides.

Und endlich die mit fast unerträglicher Spannung erwartete

Auflösung zu "Ein Wort sagt mehr als 1000 Bilder"

Menschen neigen dazu, nebulöse Worte reflexhaft mit ihren persönlichen Inhalten zu füllen, was in der Werbung sehr erfolgeich eingesetzt wird. Denken Sie an das Wort "Lieblingsessen": Der Eine denkt sofort an gedünstete Kuhaugen, der Andere vielleicht an Currywurst mit "Pommes Schranke". In jedem Fall wird beim Leser ein wohliger Grundzustand samt Kontext angeregt, der anschließend genutzt wird. Kein Bild kann alle Lieblingsessen dieser Welt zeigen. Ein einziges Wort schafft das locker.
Falls Ihnen bisher zu "Ein Bild sagt mehr..." nicht das Pendant "Ein Wort sagt mehr..." eingefallen ist, sind Sie auf eine sog. "Heuristik" hereingefallen: Beine, die wir uns selbst stellen. Wer Heuristiken kennt, kann diese vielfältig nutzen, z.B. im Vertrieb und im Personalbereich. Den Menschen bleiben Heuristiken so verborgen wie Ihnen bisher "Ein Wort sagt mehr...".

Wenn Sie jetzt an Ihr wichtigstes Thema denken: Welches der drei vorgestellten Werkzeuge Beratung, Training oder Coaching halten Sie für am besten geeignet, Sie schnell voran zu bringen? Oder ist es gerade deren fundierte Kombination des M.Sc. der Wirtschaftspsychologie, vereint mit langjähriger Praxiserfahrung als Ingenieur und Führungskraft in Unternehmen?

Wenn Sie zu den Menschen mit Offenheit gehören, werden Sie sich neue Wege einfallen lassen, bis Sie Ihr Ziel erreicht haben. Die Unterlassung von heute ist die Schwäche von morgen. Investieren Sie dahin, wo Ihre Zukunft gemacht wird: In Ihren Kopf und die Köpfe Ihrer Mitarbeiter.

Ihnen einen herzlichen Dank, dass Sie hier waren, Ihr

Bernd Gems

DQR: amtlicher Deutscher QualifikationsRahmen, www.dqr.de, Niveaus von 1 bis 8.