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Die Wirtschaftspsychologie

Aus innerer Ruhe folgt hohe Ideengeschwindigkeit. Das Paradoxe der Psychologie. - Foto: Bernd Gems Wenn Sie hier angekommen sind, wollen Sie es wirklich wissen. Also dann, erst einmal eine wichtige Unterscheidung:
Mit "Alltagspsychologie" wird das beschrieben, was Menschen so alles über Menschen denken, glauben und behaupten. Frei nach dem Muster: "Der Müller macht das ja bloß, weil..." Das kann stimmen oder auch nicht. Entscheidungen und Urteile gehen auf diese Weise mit wenig Anstrengung von der Hand, der Mensch vertraut auf sein Bauchgefühl. Die geglaubten Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sind meist einfacher Natur. Die Zeitschriften im Supermarkt sind genau so voller Alltagspsychologie wie auch die Ratgeberfächer im Buchhandel. Kein Mensch kommt ohne Alltagspsychologie aus.

Schaltet der Psychologe von bequemer Alltagspsychologie auf echte Psychologie um, wird es für ihn anstrengend. Er hat dann die Ergebnisse psychologischer Wirkungsforschung einzusetzen. Ein Beispiel dazu, was das ist: Nehmen wir an, Sie zeigen einer Vielzahl Personen je ein Blatt mit einem Werbetext und einem Foto des Autors. Sie erklären, dass Sie den besten Text herausfinden wollen. Sie bitten dazu darum, auf einer Skala von 1 bis 10 die Glaubwürdigkeit des Textes einzuschätzen. Was die Leute nicht wissen können: Der Text ist immer identisch, die Fotos wechseln. Die Fotos haben Sie aus einer anderen Studie und wissen daher, wie attraktiv die abgebildeten Personen eingeschätzt werden. Menschen sind sich darin erstaunlich einig. Das Ergebnis: Je attraktiver die Person, desto glaubwürdiger wird der Text bewertet. Nicht von jeder Einzelperson, sondern mit überwältigender Häufigkeit.

Wird ein interessantes Ergebnis in der Fachpresse veröffentlicht, wird es weltweit von vielen unabhängigen Instituten überprüft, weiterentwickelt und variiert. Erst, wenn viele Studien voneinander unabhängig in die gleiche Richtung weisen, entsteht aus psychologischer Forschung belastbares Wissen. Der Zusammenhang zwischen äußerlicher Attraktivität und unbewusst geglaubten, positiven Persönlichkeitseigenschaften ist so ein sicheres Forschungsergebnis und wird mit "Halo-Effekt" bezeichnet.

Jedes Jahr werden weltweit tausende Studien angefertigt. Ein echter Psychologe kann Studien dieser Art planen und durchführen. Er kennt die wichtigsten Ergebnisse und kann sie einsetzen. Er hat Zugang zu Fachdatenbanken, um sich für den Einzelfall hochwertiges Fachwissen zu erschließen.

Im Laufe der Zeit hat sich durch vielfältige Forschungsarbeit in der Unternehmenswelt eine Fülle an belastbarem Wissen und erlerbaren Fertigkeiten ergeben. Die folgende Tabelle beschreibt einige Themenfelder, die ein Wirtschaftspsychologe lernt und beherrscht:  

Kompetenzen eines Masters of Science (M.Sc.) der Wirtschaftspsychologie

Themenfeld Bedeutung und Zweck
Generelle Psychologie Was allen Menschen gemeinsam ist, der oben beschriebene Halo-Effekt bespielsweise.
Differenzielle Psychologie / Persönlichkeitspsychologie Wie die Persönlichkeiten von Menschen unterschieden werden können und wozu das nutzbar ist. Beispielsweise bei der Eignungsdiagnostik als Kompetenz der Personalabteilung.
Sozialpsychologie Was das Miteinander von Menschen ausmacht und wie es im Sinne einer Steuerung beeinflusst werden kann.
Statistik Mathematische Verfahren z.B. der Inferenzstatistik zum fundierten Schließen von im Rahmen einer Studienstichprobe erhobenen Daten auf die Gesamtheit (z.B. Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland). Mit Statistik fallen wir nicht mehr auf unsere eigene Verallgemeinerung persönlicher Einzelfallerfahrungen herein, sondern erhalten valide Wahrscheinlichkeiten. Bei Menschen, die große Mühe haben, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, hat die Statistik einen schlechten Ruf. Anderen ist sie sehr dienlich: den Versicherungen und in Form von Mitarbeiterbefragungen und Marktforschung auch Unternehmern.
Arbeits- und Organisationspsychologie Was fördert, was behindert im Sinne des Unternehmenswohls die Zusammenarbeit? Wie entsteht Arbeitszufriedenheit? Welche Unternehmensstruktur ist im Einzelfall tauglich, welche weniger? Diese und weitere Frage werden behandelt und fundiert praxisnah beantwortet. Analyse->Maßnahme.
Führungspsychologie Führungserfolg ist das im Sinne des langfristigen Unternehmenswohls gezielte und gelungene Beeinflussen des Verhaltens von Mitarbeitern. Wer sich die Erfahrungen tausender Führungskräfte ohne deren Mühe aneignen möchte, ist hier richtig.
Eignungsdiagnostik und Personalentwicklung Von der kostenneutral erfolgreicheren Personalanwerbung bis hin zu Interviewformen, die Verborgenes hervorbringen: Darum geht es in Personalmarketing. Intern geht es darum, Stärken und Schwächen sowie Potenziale fundiert zu ermitteln und zum Wohl des Unternehmens zu selektieren und zu fördern.
Change Management Die meisten, sachlogisch völlig richtigen Veränderungen erleiden unnötigen Widerstand seitens der Mitarbeiter. Wie das anders geht, ist wesentlicher Inhalt dieses Fachs, das sich aus tausenden Einzelerfahrungen speist.
Interkulturelle Psychologie Sie befähigt dazu, die Auswirkungen von kulturellen Unterschieden rechtzeitig einzubeziehen und positiv zu nutzen.
Handlungskompetenz: Gesprächsführung Gesprächsförderer und Gesprächsstörer, Vermeidung unnötiger Konflikte, Erreichen von Gesprächszielen bei Erhalt des guten Miteinanders, kurz: Wie man insbesondere als Führungskraft sehr viel reichhaltigere, erfolgreichere Gespräche führt.
Handlungskompetenz: Coaching Menschen zum Erreichen ihrer Ziele bewegen und -in Zusammenwirkung mit Trainingselementen- befähigen.
Handlungskompetenz: Mediation Wer kennt es nicht? Menschen grollen sich mehr oder weniger, reden eher über- als miteinander oder schweigen und denken in ihrer Arbeitszeit über den Konflikt nach, anstatt mit voller Aufmerksamkeit zu Arbeiten. Fehler, Minderleistung, Widerstände können die Folgen sein. Für das Unternehmenswohl fatal. Das Abstellen abstellbarer Konflikte ist erste Führungsaufgabe und benötigt gewaltige sprachliche und strukturelle Kompetenzen. Außerdem steckt der Chef nicht selten selbst mit drin. Also: das Problem extern bearbeiten lassen. Kann klappen, muss nicht klappen. Im letzteren Fall sperren sich Personen gegen ein gutes Miteinander, dann liegt die notwendige Folge auch auf der Hand.
Diversity und Ethik Fachlich geht es zuallererst um das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und seine rechtliche Bedeutung. Inwieweit ethische Aspekte dem Wohl des Unternehmens dienen können, sind weitere Erkenntnisse.
Verhaltensökonomik Es geht um das Entscheidungsverhalten des Menschen und die Weiterentwicklung der Tauglichkeit von Entscheidungen.

Wenn Sie einen Wirtschaftspsychologen einsetzen, nutzen Sie die Essenz von Wissen, Erfahrungen und Fertigkeiten hunderttausender Menschen.


Ihnen einen herzlichen Dank, dass Sie hier waren, Ihr

Bernd Gems

DQR: amtlicher Deutscher QualifikationsRahmen, www.dqr.de, Niveaus von 1 bis 8.